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Wechseljahrsbeschwerden
| Hormonbehandlung von Wechseljahresbeschwerden
Die unbestritten mit Abstand wirkungsvollste Behandlung des sogenannten "Klimakterischen Syndroms" mit Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depressionen etc. besteht in der Gabe von natürlichem Östrogen.
Solange eine Frau eine Gebärmutter hat, muß zu deren Schutz ein Hormon eingenommen werden, das auf die Gebärmutterschleimhaut wirkt. Dies macht die Sache etwas komplex. Man hatte hier jahrzehntelang nur künstlich hergestellte Hormone zur Verfügung, sog. synthetische Gestagene. Diese waren in Kombination mit Östrogen insofern problematisch als das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken leicht erhöht war.
Eine große sauber angelegte sehr große Langzeitstudie aus Frankreich 2005 (E3N-EPIC-Studie), zeigte jetzt beruhigenderweise, dass dies nicht der Fall ist, wenn statt synthetischer Gestagene das natürliche Gestagen des menschlichen Eierstocks, das Progesteron, eingesetzt wird. In der französische Studie fand sich sogar eine geringe Verminderung des Brustkrebsrisikos unter der Therapie!! (Relatives Risiko = 0,9) Das Östrogen wurde in der Studie als Gel über die Haut zugeführt, was sich sehr positiv auf das Thromboserisiko auswirkte. Das Progesteron ist in Tablettenform im Handel.
Auch die Endergebnisse einer großen amerikanischen Studie zur Hormonbehandlung der Wechseljahre, die im Jahre 2003 für große Aufregung in der Laienpresse gesorgt hat (WHI-Studie), liegen seit Ende 2004 vor. Es handelt sich bei den neuen Ergebnissen um den Vergleich von Frauen, die keine Hormone eingenommen haben mit solchen, die ein reines Östrogenpräparat ohne Kombination mit einem Gestagen erhielten (Frauen ohne Gebärmutter). In dieser Gruppe fanden sich 23 % weniger Brustkrebsfälle als in der unbehandelten Gruppe! Bei den Patientinnen, die eine Kombination von Östrogenen mit Gestagenen erhalten hatten (Frauen mit Gebärmutter), war dagegen zuvor ein um 30 % erhöhtes Risiko gefunden worden.
Wird eine Östrogenbehandlung früh begonnen (d.h. vor dem 60. Lebensjahr bietet sie eine Schutzfunktion für die Herzkranzgefässe).
Fazit:
Nach neuestem Wissensstand ist die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden am sichersten mit Östogenen durchzuführen, die durch die Haut aufgenommen weren (Pflaster oder Gel). Hat eine Patientin keine Gebärmutter, sind Gestagene völlig überflüssig. Die Behandlung mit einem Östrogen (ohne Gestagenzusatz) steigert nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Ist die Gebärmutter noch vorhanden muß zu ihrem Schutz zusätzlich ein Gestagen eingenommen werden. Hier ist das natürliche Progesteron die sicherste Substanz. Sie steigert ebenfalls nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Für echte klimakterische Beschwerden gibt es keine Behandlung, die annähernd so wirksam ist wie der Ersatz der Eierstockhormone.
Weitere Behandlungsformen in und nach den Wechseljahren:
Die Rolle von Östriol:
Es gibt ein wichtiges Östrogen, welches nicht an der Brust und an der Gebärmutter wirksam wird. Dieses Östrogen heißt „Östriol“.
Diese Substanz ist in der Lage bis ins hohe Alter die Elastizität des Beckenbodens zu erhalten, was für die Vermeidung einer "schwachen Blase" entscheidend ist. Mit Östriol gelingt es, Rückbildungserscheinungen der Scheide (Schrumpfen, Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) sicher zu vermeiden. Die natürliche Vaginal-Bakterienflora bleibt erhalten. Gleichzeitig wird auch die Schleimhaut von Harnröhre und Blase stabilisiert.
Es macht überhaupt keinen Sinn, nach den Wechseljahren auf Östriol zu verzichten. 1 - 2 Zäpfchen oder Tabletten pro Woche reichen aus (lebenslang).
Pflanzen-Östrogene sind nicht wirklich eine Alternative:
Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Soja und Rotklee werden auch als Heilmittel bei Wechseljahresbeschwerden propagiert. Solche Produkte sind allerdings weder hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, noch in Bezug auf ihre Sicherheit ausreichend untersucht. Im Gegenteil, für die in Soja und Rotklee enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein, die in ihrer Struktur den Östrogenen ähneln, gibt es - sowohl aus zellbiologischen Untersuchungen als auch aus Tierversuchen - sogar Hinweise, dass sie das Wachstum von Brustkrebszellen stimulieren. Mögliche "Nebenwirkungen" von Phytoöstrogenen sind vaginale Blutungen, Gewichtszunahme und Magen-Darm-Beschwerden. Deshalb ist die Einnahme von Phytoöstrogenen auch von einer hohen Drop-out-Rate und einer geringen Compliance-Rate gekennzeichnet.
Autor: Gyn-Depesche-Redaktion, Gesellschaft für medizinische Informationen mbH
Dr. med. A. Maucher | | | |
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