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Krankheitsbilder

Gebärmutterhals-Erkrankungen

Gebärmutterhals-Erkrankungen





(Dysplasien)


Der Muttermund ist der Teil der Gebärmutter, der die Scheide nach oben hin abschließt. Er ist über-zogen von einer glatten Haut. In der Zone, wo diese glatte Haut an die Schleimhaut des Gebärmut-terhalskanales angrenzt, existiert eine Gewebszone, die im Laufe des Lebens ständigen Umwand-lungsprozessen unterworfen ist (sog. „Transformationszone“). Hier können Krankheitserreger Verän-derungen der Hautstruktur hervorrufen. Diese Veränderungen nennt man in der Fachsprache „Dysplasien“. Zu Deutsch heißt dies nichts anderes als „Fehl-Schichtungen“. Diese Fehlschichtungen kön-nen leichter, mittelschwerer oder schwerer Natur sein. Im Endstadium können sie in Krebsvorstufen und schließlich in Krebs übergehen, der dann die Unterlage infiltriert. Erst letzteres ist sehr gefährlich und macht umfangreiche operative Maßnahmen bzw. Strahlentherapie erforderlich.

Muttermunderkrankungen werden in der Regel im Rahmen der sog. „Krebsfrüherkennungsuntersu-chung“ diagnostiziert. Die bekannteste Abstrich- und Färbemethode, die einem den Forscher namens Papaniculaou in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde und deshalb kurz PAP-Test genannt wird, hat heute Konkurrenz erhalten. Die Kassen tragen in unserem Land bisher nur den PAP-Test. Dieser zeigt frühzeitig Veränderungen an. Es handelt sich bei diesen Erkrankungen deshalb aber noch lange nicht um „Krebs“. Vielmehr erkennen unsere Abstrich-Tests heute schon in sehr frühen Stadien Hautveränderungen viele Jahre bevor hieraus eine echte Krebsvorstufe entsteht. Ein einzel-ner Abstrich hat eine relevante Fehlerquote. Zwei Abstrich im Abstand von einem Jahr erfassen Ver-änderung mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit.

Man klassifiziert Abstrichergebnisse des PAP-Tests in fünf verschiedene Stufen, die wir mit römischen Ziffern belegen. I und II bedeuten Normalbefunde. III und IV müssen abgeklärt werden. V würde Ge-bärmutterhalskrebs bedeuten.

Welcher Schweregrad vorliegt, ist in der Regel gut abschätzbar und zwar aufgrund des Abstriches und der sog. „Kolposkopie“. Bei letzterem wird der Muttermund unter Lupenvergrößerung mit einer starken Lichtquelle untersucht. Das Gewebe wird zunächst in verdünnter Essiglösung getränkt, wodurch sich die Krankheitsherde weiß verfärben. Ein weiterer Test, bei dem das Gewebe mit Jod betupft wird, zeigt die Grenzen zwischen gesundem und krankem Gewebe besonders deutlich. Gesundes Gewebe nimmt das Jod sofort auf und färbt sich dunkelbraun. Krankes Gewebe bleibt hell. Wir führen derartige Untersuchungen im Rahmen der Dysplasie-Sprechstunde mit einer Video-Kamera durch, sodass jede Patientin ihre Untersuchung mitverfolgen kann, wenn sie möchte.

Auslöser typischer Gewebsveränderungen (Dysplasien) sind Krankheitserreger, nämlich Viren Man fasst sie unter dem Begriff „Human-Papilloma-Viren“ (abgekürzt HPV) zusammen. Es wurden ca. 100 HPV isoliert und durchnummeriert. 30 verschiedene findet man im Genitalbereich. Sie sind unter-schiedlich gefährlich und werden deswegen in Viren mit hohem Risiko („High-Risk-Viren“) und solche mit niedrigem Risiko (sog. „Low-Risk-Viren“) eingeteilt. Die Viren werden teilweise aber nicht aus-schließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Wer mit HPV infiziert ist, entwickelt nur in einem geringen Prozentsatz wirklich Krankheitssymptome. Man schätzt, dass von 100 Infizierten nur etwa
7 -10 Veränderungen entwickeln. Dabei kann es sich um Erkrankungen des Gebärmutterhalses oder der Haut von Scheide, äußerem Genitale oder After handeln.

Eine medikamentöse Behandlung ist bis heute nicht möglich. Ausnahme sind Feigwarzen (Condylo-me). Dies kann sie mit Lösungen oder Cremes zu behandeln versuchen. HPV – bedingte Verände-rungen können sich im günstigsten Fall ohne Behandlung zurückbilden. Geschieht dies nicht, ist oft die einzige effektive Therapie ist eine Operation. Nach einer solchen Maßnahme muss man abwarten, ob das eigene Immunsystem die Viren besiegt. Man kontrolliert die Ergebnisse ca. 6 Monate nach der OP.

Seit 2006 stehen Impfungen gegen eine Auswahl der wichtigsten HPV zur Verfügung.


Dr. Maucher, Hürth, April 2010

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