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HPV im Genitalbereich
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HPV ist die Abkürzung für Human Papilloma Viren
1. Condylome (Feigwarzen) im Genitalbereich
(Fachausdruck = Condylomata accuminata
Das Wort Condylom bedeutet ins Deutsche übersetzt „Keule“. Bei Condylomen handelt es sich um Hautwarzen, deren Wachstum durch ansteckende Krankheitserreger ausgelöst wird, nämlich Viren. Die Viren, die im Genitalbereich Hautveränderungen auslösen, nennt man „Human Papilloma-Viren“, abgekürzt HPV. Man hat inzwischen mehr als 100 solcher Virustypen identifiziert und durchnum-meriert. Die Viren, welche Condylome verursachen, sind die Nummern 6 und 11.
Ein medikamentöses Ausrotten dieser Viren ist bis heute nicht möglich. Der einzige wirkungsvolle Feind dieser Viren ist unser eigenes Immunsystem. Deshalb war es logisch, nach Impfungen zu for-schen, die uns immun machen (vergleichbar einer Grippe-Impfung). Für die Virustypen 6 und 11, die Condylome verursachen, steht seit Ende 2006 eine Impfung zur Verfügung. Sie schützt aber nur dann, wenn noch keine Infektion vorliegt.
Theoretisch sollte man meinen, dass eine operative Beseitigung der Hautwarzen das Problem nicht löst, da die Viren bleiben. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Rate an Rückfällen relativ gering ist und dass unser eigenes Immunsystem nach einiger Zeit die Viren wieder aus dem Körper beseitigt.
Alternativen zur operativen Beseitigung der Condylome ist die örtliche Behandlung mit Salben und Cremes. Leider sind diese Behandlungen mit einer hohen Misserfolgsrate belastet. Bei der chirurgi-schen Behandlung kann man die Condylome entweder mit elektrischen Sonden (Schlingen oder Na-deln) beseitigen oder die Warzen mittels verschiedener Lasertechniken abtragen.
Die Ausbreitung der Condylome kann sehr unterschiedlich sein. Generell muss die gesamte Scheide inkl. Muttermund, das gesamte äußere Genitale auch im Bereich der Schamhaare sowie die Afterregi-on genauestens untersucht werden. Wir tun dies mit einem sog. „Kolposkop“, einer Vergrößerungsop-tik mit starker Lichtquelle. Hiermit kann das Gewebe Quadratzentimeter um Quadratzentimeter abge-sucht werden. Die Dauer eines solchen Eingriffes hängt vorwiegend von der Anzahl der Hautwarzen und ihrer Lokalisation ab. Sie variiert zwischen fünf Minuten und ca. einer Stunde. Die nach Abtragung der Condylome zurückbleibenden Wunden sind biologisch gesehen kleine Verbrennungswunden. Ihre Abheilung dauert etwa drei bis vier Wochen. Während dieser Zeit kann man die Wundheilung mit Sitzbädern fördern. Unangenehmes Brennen behandelt man am besten mit leichten Schmerzmitteln oder betäubenden Salben.
Condylome können sehr schnell entstehen. In Einzelfällen können sie sich auch genauso rasch wie-der spontan zurückbilden. Wer einmal an Condylomen erkrankt ist, sollte sich für ein bis zwei Jahre regelmäßig mit einem Vergrößerungsspiegel selbst untersuchen. Oft kann man Condylome manchmal besser mit der Fingerkuppe tasten als sehen, da sie meist derber sind, als das normale Gewebe.
Risiken hat die Elektro- oder lasertechnische Verödung der Condylome in der Regel nicht. Es bleiben meist nicht einmal Narben zurück.
2. Hautveränderung des Muttermundes und des unteren Genitaltraktes
(Dysplasien)
Der Muttermund ist der Teil der Gebärmutter, der die Scheide nach oben hin abschließt. Er ist über-zogen von einer glatten Haut. In der Zone, wo diese glatte Haut an die Schleimhaut des Gebärmut-terhalskanales angrenzt, existiert eine Gewebszone, die im Laufe des Lebens ständigen Umwand-lungsprozessen unterworfen ist (sog. „Transformationszone“). Hier können Krankheitserreger Verän-derungen der Hautstruktur hervorrufen. Diese Veränderungen nennt man in der Fachsprache „Dysplasien“. Zu Deutsch heißt dies nichts anderes als „Fehl-Schichtungen“. Diese Fehlschichtungen kön-nen leichter, mittelschwerer oder schwerer Natur sein. Im Endstadium können sie in Krebsvorstufen und schließlich in Krebs übergehen, der dann die Unterlage infiltriert. Erst letzteres ist sehr gefährlich und macht umfangreiche operative Maßnahmen bzw. Strahlentherapie erforderlich.
Muttermunderkrankungen werden in der Regel im Rahmen der sog. „Krebsfrüherkennungsuntersu-chung“ diagnostiziert. Die bekannteste Abstrich- und Färbemethode, die einem den Forscher namens Papaniculaou in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde und deshalb kurz PAP-Test genannt wird, hat heute Konkurrenz erhalten. Die Kassen tragen in unserem Land bisher nur den PAP-Test. Dieser zeigt frühzeitig Veränderungen an. Es handelt sich bei diesen Erkrankungen deshalb aber noch lange nicht um „Krebs“. Vielmehr erkennen unsere Abstrich-Tests heute schon in sehr frühen Stadien Hautveränderungen viele Jahre bevor hieraus eine echte Krebsvorstufe entsteht. Ein einzel-ner Abstrich hat eine relevante Fehlerquote. Zwei Abstrich im Abstand von einem Jahr erfassen Ver-änderung mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit.
Man klassifiziert Abstrichergebnisse des PAP-Tests in fünf verschiedene Stufen, die wir mit römischen Ziffern belegen. I und II bedeuten Normalbefunde. III und IV müssen abgeklärt werden. V würde Ge-bärmutterhalskrebs bedeuten.
Welcher Schweregrad vorliegt, ist in der Regel gut abschätzbar und zwar aufgrund des Abstriches und der sog. „Kolposkopie“. Bei letzterem wird der Muttermund unter Lupenvergrößerung mit einer starken Lichtquelle untersucht. Das Gewebe wird zunächst in verdünnter Essiglösung getränkt, wodurch sich die Krankheitsherde weiß verfärben. Ein weiterer Test, bei dem das Gewebe mit Jod betupft wird, zeigt die Grenzen zwischen gesundem und krankem Gewebe besonders deutlich. Gesundes Gewebe nimmt das Jod sofort auf und färbt sich dunkelbraun. Krankes Gewebe bleibt hell. Wir führen derartige Untersuchungen im Rahmen der Dysplasie-Sprechstunde mit einer Video-Kamera durch, sodass jede Patientin ihre Untersuchung mitverfolgen kann, wenn sie möchte.
Auslöser typischer Gewebsveränderungen (Dysplasien) sind Krankheitserreger, nämlich Viren Man fasst sie unter dem Begriff „Human-Papilloma-Viren“ (abgekürzt HPV) zusammen. Es wurden mehr als 100 HPV isoliert und durchnummeriert. 30 verschiedene findet man im Genitalbereich. Sie sind unter-schiedlich gefährlich und werden deswegen in Viren mit hohem Risiko („High-Risk-Viren“) und solche mit niedrigem Risiko (sog. „Low-Risk-Viren“) eingeteilt. Die Viren werden teilweise aber nicht aus-schließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Wer mit HPV infiziert ist, entwickelt nur in einem geringen Prozentsatz wirklich Krankheitssymptome. Man schätzt, dass von 100 Infizierten nur etwa 7 -10 Veränderungen entwickeln. Dabei kann es sich um Erkrankungen des Gebärmutterhalses oder der Haut von Scheide, äußerem Genitale oder After handeln.
Eine medikamentöse Behandlung ist bis heute nicht möglich. Ausnahme sind Feigwarzen (Condylome). Dies kann sie mit Lösungen oder Cremes zu behandeln versuchen. HPV – bedingte Veränderungen können sich im günstigsten Fall ohne Behandlung zurückbilden. Geschieht dies nicht, ist oft die einzige effektive Therapie ist eine Operation. Nach einer solchen Maßnahme muss man abwarten, ob das eigene Immunsystem die Viren besiegt. Man kontrolliert die Ergebnisse ca. 6 Monate nach der OP.
Seit 2006 stehen Impfungen gegen eine Auswahl der wichtigsten HPV zur Verfügung.
Dr. Maucher, Hürth, April 2010
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